Jaguar C-X75 im neuen James Bond „Spectre“


Inhaltsverzeichnis

Warum sollte man auf einem Autoblog einen Kinofilm kommentieren?

Nun dazu gibt es drei richtige Antworten

  • Aston Martin DB 10
  • Jaguar C-X75
  • und schließlich der epische Aston Martin DB5.

Ich hatte schon fixes Kopfkino was ich über den DB 10 und den C-X75 schreiben wollte. Ich hatte zuvor schon Pressebilder und Kommentare von Journalisten gesehen und gehört. Doch letztlich blieb ich den Artikel über die Spectre-Autos schuldig und stahl mich in den bis auf den letzten Platz ausgefühlten Kinosaal. Jemand sollte mal die Käsetortillia verbieten! Auch Engel haben Nasen.

Eingangs mal meinen persönlichen Disclaimer: Ich bin ein „Petrol-Head“ – no nah! Ich bin, seit dem ich denken kann, Bond-Fan durch und durch. Ich liebte Bond-Filme als Sean Connery die phantastischsten Abenteuer erlebte, ich konnte sogar dem authentischen Scheissdrauf eines George Lazenby etwas abgewinnen. Timothy Dalton machte einen Menschen aus der Figur Bond und war rückwirkend betrachtet viel besser als sein Ruf.  Roger Moore machte Bond zu einem Clown, und selbst das auf seine eigene Art und Weise war gut. Jeder Zeit ihren Bond und jedem Bond sein Bond-Girl und sein Bond Auto.

 

Die Bond Autos

„Mein erstes Bond-Auto“ das ich als solches wahrnahm war der Sunbeam den Sean Connery in James Bond – 007 jagt Dr. No (1962) fuhr.  In Flemings erstem 007 Roman Casino Royale von 1953 fuhr Bond kein Dienstauto ihrer Majestät sondern seinen privaten 1931er 4.5 Litre Blower Bentley, eines der schnellsten Autos seiner Zeit und so schön wie ein Steyr 15 Traktor. Wie auch in modernen Bonds überlebte der Bentley seinen Einsatz nicht.

 

Aston Martin DB5

Erst 1964 durch den Film Goldfinger wurde der Aston Martin DB5 zum Bondauto und sollte das auch im nächsten Abenteuer Thunderball bleiben. Es folgte eine Pause von 30 Jahren. Geblieben ist der DB5 als der Gipfel der flamboyanten Englishness eines Gentlemans und man ertappte sich immer wieder dabei beim insgeheimen Wunsch der Wagen möge wieder einmal in einem „Bond“ auftauchen. Doch warum ist das so?

Aston Martin DB5

Als der DB5 1963 vorgestellt wurde, war er bereits ein altes Auto. Basierend auf dem 50er-Jahre-Design des DB4 wirkte auch der DB5 neben modernen amerikanischen Designs altbacken und weit weniger dynamisch und vor allem kaum so dramatisch wie ein Jaguar E-Type. Aberauf das kam es an-  mag man vermuten – Hölle, war der DB5 schnell! Der 4-Liter 6-Zylinder leistete gut 285 PS (210 kW) und das bei einem nicht mal 1500 kg schweren Wagen mit Superlegera-Alukarosserie. Das ist ungefähr die Leistung eines modernen Jaguar XK8 und ein Leistungsgewicht eines XKR. Zumindest auf dem Papier. Die realen 8,6 Sekunden von 0 auf 100 sind trotzdem auch heute noch respektabel. Letztlich gewinnt Drehmoment und nicht PS ein Rennen.

Bond kam jedoch zu seinem Aston Martin, weil der Autor der Bücher, Ian Flemming seiner Romanfigur einen Aston Martin Mark III zugestand. Doch im Film wollte man ein „mondernes“ Auto, da passte der geplante Launch des DB5 gut ins Konzept und Aston Martin stellte einen DB5 Prototypen und weitere als Filmautos. Damit begann die Geschäftsbeziehung der Pinewood Studios und den Autobauern aus Newport Pagnell. Diese Beziehung begann mit einer wilden Verfolgungsjagt auf einem Schweizer Fabriksgelände und in der Folge wurden Bond und sein Dienstfahrzeug zum Dreamteam schlecht hin. Vorerst zumindest. Nach Thunderball kam der DB5 für 30 Jahre ins Archiv. Es folgte der Aston Martin DBS und 1977 der Aston Martin V8 Vantage Volante. Böse Zungen behaupten, ohne James Bond hätte Aston Martin als Autobauer wahrscheinlich nicht überlebt. Vermutlich ist auch etwas Wahres daran.

BMW als Bond-Auto

Pierce Brosnan, der Bond eine Hochnäsigkeit verlieh, jedoch ohne nasalem Sarkasmus, durfte den DB5 wieder für Missionen zu oder auf seiner Sprachlehrerin verwenden. Der DB5 und Action? Naja in Golden Eye, wird der DB5 die Strasse gen Monte Carlo hinunter gejagt. Bond muss einer Frau zeigen wer den längeren – äh schnelleren – hat. Auch im nächsten Bond war der DB5 eher Statist und kein Action Held, ein „Steh-Hübsch“. Pierce Brosnan, der Ire, der sich nun einer amerikanischen Staatsbürgerschaft erfreut, fuhr als urbritischer Spion plötzlich BMW. Der durfte zeigen, was er kann. Der grandiose Z8 wurde zersägt, der 7er vom Dach geworfen. Das Bond-Auto, das man sich am meisten sparen hätte können, der Z3, überstand das Abenteuer ohne Beschädigung, leider. Der Z8 war natürlich kein echter Z8, sondern eine Replik – oder besser da es das Auto ja noch gar nicht gab – eine Praeplik auf Basis eines Cobra-Kitcars mit amerikanischen V8. Es folgt zumindest in „Stirb an einem anderen Tag“ die Rückkehr des Aston Martin Vanquish – wir nennen ihn aber den Vanish – der sich mit dem Jaguar XKR des Bösewichts messen darf und sich bei Bedarf unsichtbar machen kann.

James Bond Pierce Brosnan mit BMW Z8

Der DB5 kehrt zurück

Als der skeptische aufgenommene neue Bond plötzlich blond und blauäugig präsentiert wurde rümpften die Puristen einmal mehr die Nase. In Casino Royale von 2005 debütierte Daniel Craig. Frühen Kritikern  war Craig nicht britisch genug, brachte aber eine komplett neue Intensität in die Rolle und spätestens als er in Nassau den DB5 – nicht aber den Bond-DB5 mit seinen Gimmicks – beim Pokern gewinnt und dem Verlierer auch noch gleich die Frau abnimmt, nimmt man Craig auch den Bond ab. Damit verliert sich auch die Spur des DB5 und Bond reist ins malerische Tschechien, welches uns ganz ohne Karst und Meer als Montenegro verkauft wird, ganz umweltfreundlich mit dem Zug. Das war peinlich – nicht der Zug, sondern Montenegro. Entschädigt hat die Location im Grandhotel Pupp in Karlsbad. Der Mix aus tschechischen und kroatischen Schildern im Hotel fällt eh nur einem Sprachbegabten auf.

Aston Martin DBS Bond 007

Promotion Abbildung zu Casino Royale mit Daniel Craig und dem Aston Martin DBS

Dort rettet Bond der Aston Martin DBS dank seiner eingebauten Entseuchungststation das Leben und dem zum Dank wickelt Bond den DBS gleich 7 mal um sich selbst – ein Weltrekord in der Geschichte der Filmstunts! Während der Dreharbeiten gab es den DBS noch gar nicht und so wurden einige Prototypen gebaut um dieses imposante Product Placement hinzu bekommen. Statt Chrom und gebürstetem Aluminium wurden Anbauteile mit Küchenfolie überzogen und so schaffte man es dem Kinobesucher zu überzeugen. Craig entwickelt sich zu einem epischen Bond-Darsteller. In Quantum of Solace beginnt Bond seinen Einsatz mit einer Verfolgungsjagt, die den Namen Verfolungsjagt auch verdient. Auch diesmal darf er seinen Aston Martin mies behandeln, doch dieser überlebt, wenn auch mit starken Blessuren.

Aston Martin DBS Wrack

Das Wrack des Aston Martin DBS nach dem rekordverdächtigen 7-fachen Überschlag

In Skyfall ist man von Daniel Craig längst überzeugt. Und bei der Suche nach den eignen Wurzeln und der ureigenen Bond-DNA darf der Aston Martin DB5 natürlich nicht fehlen. Bonds Vorschlag der nörgelnden M den Ausstieg mittels Schleudersitz zu ermöglichen, erweckt nicht nur bei vielen Fahrern den Wunsch nach diesem Gimmick im eigenen Auto, sondern macht auch unmissverständlich klar, dass es sich um den originalen Bond-DB5 aus Goldfinger handeln musste. Skyfall endet wie der DB5 – episch und in Explosionen und Flammen. Jedem Bond-Fan ist nun klar dass kein Stein auf dem anderen bleiben würde – wie bei dem Herrenhaus. Dank dem wohl bekannten Moneypenny-Büro-Vinyltüren-Dejavue der 60er Jahre ahnt der gelernte Bond-Fan wohin die Reise geht. An dieser Stelle läßt sich vielleicht auch erahnen, dass hier irgendwo der Autoblog endet und die die Filmkritik beginnt.

James Bond -Spectre

Manche kennen das vielleicht: Man hat ein Date mit einer Internetbekanntschaft. Wenn man sich wirklich gegenübersitzt, ist die Realität dann nicht ganz das, was man sich aus der vorangegangenen Konversation und den perfekten Fotos vorgestellt hatte. Man muss auch zugestehen, dass es oft dem Gegenüber nicht viel besser ergeht. Dennoch ist das eine passende Analogie zu einem nicht nur erwarteten, sondern geradezu ersehnten Kinofilm: Man kommt zum Treffpunkt. Das Date sitzt im diffusen Licht irgend eines Lokals und mag auf den ersten Blick die Erwartung erfüllen. Uh – sie hat dich gesehen, abhauen ist jetzt nicht mehr. Die Unterhaltung fängt sogar grandios an, doch flacht zunehmend ab. Das gegenüber hat einen nervigen Lacher, redet nur von der Ex oder rülpst einem ins Gesicht. Irgendwann ist man froh, wenn der Abend vorbei ist. So kann es einem auch mit einem Kinofilm gehen und so wird aus einer Auto-Story eine ungeplante Filmkritik.

„Die Unterhaltung fängt grandios an …“ Bond ist als Skelett verkleidet und schwingt seinen „knöchernen“ Hintern in ein Hotel. Meine Gedanken schweifen ab und ich überlege mir ob nicht ein hautenger Anzug mit aufgedruckter Wirbelsäule und Rippen einem Orthopäden helfen könnte, Fehlstellungen zu diagnostizieren – ein Zeichen dafür dass die Sequenz wohl einen Tick zu lange gedauert hatte. Doch der Bond hat mich gleich wieder und erfüllt zunächst meine Erwartungen: Action, Action, Action. Danach jedoch verliert Bond komplett seine Dreidimensionaliät und flacht ab.

ACHTUNG SPOILER! 

Wer den Film trotzdem ansieht könnte sich durch die folgenden Bemerkungen gespoilt fühlen. Weiterlesen auf eigene Gefahr hin. Die beschriebene Handlung dient dazu das Meinungsbild des Autors zu dokumentieren.

Wieder ist Bond der A und wieder muss er sich gegen seine eigenen Leute tarnen, täuschen und abtauchen.  Er schafft es dann auch noch Q den neuen Aston Martin DB 10 aus der Hochsicherheitsgarage zu stehlen, fährt damit durch ganz Europa – von dem Auto sieht man dabei nichts – um auf ein Begräbnis zu gehen, die Witwe flachzuglegen – gespielt von Monica Bellucci, dem ältesten und mit einem 3-Minutenauftritt kürzesten Bond-Girl ever. Auf der Flucht vor ihren Mördern ist immerhin noch ein Coitus drinnen (im 3-Minuten-Auftritt). Wirkt auch an den Haaren herbeigezogen.

Dann folgt auf eine Konferenz, wo ein sonst grandioser Christoph Walz den Kopf der Untergrundorganisation Spectre mimt, die langweiligste Verfolgungsjagt, die man sich vorstellen kann. Bond im Aston Martin DB10 der neue Schläger Mr. Hinx des Superbösewichts Oberhauser im Jaguar C-X75. Keines der Autos darf wirklich zeigen was es kann. Dem von Aston Martin zur Verfügung gestellten auf keinem Serienmodell basierenden Prototypen „DB10“ wurden extra schlechte Reifen montiert um ein wenig Drift- und Powerslides zu ermöglichen – zu gut das Original. Auch das hilft nicht. Der kurze Moment, wo ein Fiat 500 von Bond aus dem Weg geschubst wird, kommt zumindest etwas Komik auf: Wie bei einem Furz-Witz, hilft der stark verzögerte ärmliche Airbag den der Fiat Fahrer ins Gesicht bekommt – zumindest kurz.

Bond muss römischen Säulen, die jemand im regulierten Betonbett des Tiber entsorgt hat, ausweichen – echt jetzt? Ein weiterer peinlicher Moment und schließlich versenkt Bond endlich den DB10 im Tiber. Er entkommt mit dem Schleudersitz, doch wie und wo, ob der nun einen Fallschirm hat oder nicht bleibt man dem Publikum schuldig. Die Schulden beim Publikum häufen sich. Was Autoverfolgungsjagten, den elaborierten DB10 und den Jaguar C-X75 betrifft, war’s das auch schon, auch das was man vom C-X75 zu sehen bekommt. Ach ja auf die Landrover-Tour in den Österreichischen Alpen hatte ich fast vergessen. War wahrscheinlich zu langweilig und vorhersehbar à la Walker -Texas Ranger. Allesamt sind die Beiträge von Jay Leno’s Garage interessanter und die 50 km/h-Fahrt im Video-Blog X-Car zu den Bond-Autos wirkt schnittiger und aufregender als der Film selbst.

Doch zurück zum Bond: In der  Kino-Date-Analogie folgt die Phase „Lacht nervig, redet vom Ex und rülpst einem ins Gesicht“. Es folgen einige peinliche Momente. Bond im weissen Smoking und das Bongirl im Gala Aufzug – in der Kombüse im Zug durch Marokko. Dann wieder auf Verbrecherjagt: Bond legt in der Sahara eine gestrickte Krawatte an. Dann der übliche Schurke zeigt sein Imperium-Show-Down. „… lacht nervig ….“. Immer wider eingeblendet die Gesichter der Toten aus Bonds Vergangenheit. „… redet von der Ex … “ Mit nur einem gezielten Schuss auf eine Gasleitung, lässt Bond das ganze Schurkenreich im Heldenstreich vor der Bluebox-Leinwand in CGI-Flammen aufgehen – der „Rülpser“.  Die ganze Szenerie wirkt sehr unwirklich und lieblos – wie auch der Rest des Filmes. Es folgt die Phase, wo man wohl sagt:  „Ich muss morgen früh raus, es war ein netter Abend“ und man ist froh wenn man gehen kann.

Das Finale

Positiv muss vermerkt werden, dass zumindest das Vorgehen von Pharmafirmen für essentielle Medikamente in Entwicklungsländern ungeheures Geld zu verlangen und die Gefahren des Überwachungswahns thematisiert wurden. Für echten Beifall reicht es jedoch nicht. Vor allem weil die Verantwortung an der perfide Praxis einer bösen Untergrundorganisation und nicht dem Management börsennotierter Unternehmen zu geschoben wird. Eine gute Sache hat „Spectre“ allerdings: Daniel Craig, der ja durchblicken ließ, keinen weiteren Bond mehr machen zu wollen, muss wohl oder übel noch einmal ran, um genau diese Scharte in seiner Karriere auszumerzen.

Fazit: Grandiose Autos, grosteils grandiose Schauspieler in wenig grandiosen Dialogen, eine grandiose Eröffnung und schließlich eine grandiose Enttäuschung mit einer grandios schlechten Story die versucht die Geister der 60er erfolglos herauf zu beschwören. Es reicht den Trailer anzusehen und aufs Fernsehen zu warten. Episch. Ein epischer Fail.

Medien

Text: Christopher Winter, xkjaguar.com

Fotos und Bildmaterial: Jaguar Cars, Aston Martin Lagonda Ltd, Pressematerial, Verwendung in eingeräumter Lizensierung